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Die Geschichte der Piesteritzer Siedlung
Arbeiterwohnungen und Reform
Seit in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung Deutschlands begann, spielte der Bau von Unterkünften für Arbeiter der neu entstehenden Betriebe eine zunehmende Rolle. Auf zweierlei Weise erfolgte dabei die Ansiedlung der Arbeiter: Einmal in den Erweiterungen der Stadt, d. h. in den vielgeschmähten Mietskasernen der Gründerzeit; zum anderen in den Arbeiter-Kolonien am Rande der Industrieneugründung, zunächst insbesondere Zechen, außerhalb der vorhandenen Städte.
In der Zeit bis zum 1. Weltkrieg veränderten sich diese beiden Hauptformen der Arbeiterunterkunft infolge sozialer, hygienischer, politischer und ästhetischer Probleme. Die Reformen wurden von verschiedenen Kräften mit differenzierten Interessen getragen, so von der Sozialdemokratie, von Architekten, Boden- und Wohnungsreformern, Medizinern, Künstlern, "aufgeklärten" Unternehmern u. a.
Der Blick auf diesen langen und widersprüchlichen Reformprozess erscheint als wichtige Voraussetzung für das Verständnis und den Wert der Piesteritzer Werksiedlung, deren Bau an einem Höhepunkt dieser Reformversuche stand.
(Zitat aus dem dritten Dokumentationsheft anlässlich der EXPO 2000 "Die Piesteritzer Siedlung 2000" )

Das Torhaus
Bebauung und Haustyp
Im Frühjahr 1916 begann vom westlichen Rand her der Bau der Siedlung. Zunächst wurde entlang des "Krummen Weges", der "Coswiger Straße" (heute "Dessauer Straße") und am "Kurzen Hagen" gebaut. Es folgten der "Gartenweg", die "Lange Zeile" sowie der zentrale Bereich um den Marktplatz (heute "Karl-Liebknecht-Platz") und schließlich die Baugruppe "An der Stiege". Erst 1925 entstand das letzte noch fehlende Gebäude der Siedlung: an der Stelle der evangelischen Kirche baute die Stadt das Rathaus für Piesteritz nach Plänen von Salvisberg.
Der Bebauungsverlauf erfolgte also von außen nach innen und läßt auf ein schrittweises Ausreifen der Bauausführung in dieser Folge schließen. So dürften im nordwestlichen Bereich die größte Ursprünglichkeit und zugleich die meisten Unvollkommenheiten anzutreffen sein. Diese Tendenz entspricht der Verteilung von Haustypen im Siedlungsgebiet. Findet sich im nordwestlichen Teil eine große Vielfalt, so zeigt sich eine zunehmende Vereinheitlichung im Verlauf der Bebauung. Die ursprüngliche Planung sah die Verwendung von sieben Haustypen vor. Damit war eine große gestalterische Varianz und soziale Differenzierung beabsichtigt. Eine Reihe von Sonderlösungen ergänzte diese.
(Zitat aus "Die Piesteritzer Siedlung 2000 Bebauung und Haustyp" von Harald Kegler )




